32. Deutscher Evangelischer Kirchentag Bremen 2009

Ein wirkliches Großereignis liegt nun hinter uns: der 32. Evangelische Kirchentag in Bremen! Per Internet konnten und mussten wir uns schon lange zuvor anmelden, bekamen eine Mitwirkendennummer für unseren Posaunenchor einschließlich der beiden Ehehälften Erika und Marianne. Dazu einen Stadtplan, ein dickes Programmheft, ein Dünnes mit Änderungen, ein Liederheft und zum Blasen ein großes Spielheft und für den Abschlussgottesdienst ein Werkheft. Das Bläserheft für Kirchentage IV hatten wir uns bereits zuvor gekauft. Das war alles so viel und unübersichtlich, dass wir einfach nicht dazu kamen, alle zu erwartenden neuen Lieder vorher zu proben. Zum unserem großen Glück kamen ja auch nicht alle dran. Schließlich noch die entsprechenden Kirchentagsausweise für die Mitwirken-den und die ganz normalen Teilnehmer einschließlich Fahrkarte für den örtlichen Verkehrsverbund. Und das alles kostete selbstverständlich auch etwas: Geld aus der eigenen Tasche, Fröhlichkeit in der Vorbereitung, Erwartungsfreude sowie Ausdauer im Dabeisein! Am 20. Mai 2009 machten sich Erika und Wiwa aus Tiefthal sowie Marianne und Georg aus Gebesee per Auto auf den Weg. In Bremen erwartete die Letzteren bereits Anne, die hier ihr Referendariat an einer Schule absolviert, während Wiwa und seine Frau außerhalb Bremens bei Freunden untergekommen waren. Wir wurden nach der langen Fahrt von unserer Gastgeberin Frau Borgward außerordentlich freundlich empfangen, mit einem schmackhaften Salat nebst ebensolchen Beilagen. Unser kleiner Chor war damit mit drei Aktiven vertreten - gar nicht so schlecht! Ja, wenn Ines und Sven auch noch mitgekommen wären wie geplant und bezahlt, aber die beiden mussten aus erfreulichem Grund leider passen! Wir hätten sie gern dabei gehabt! Der Mittwoch begann mit den Bläser-Proben für den anschließenden wunderschönen Eröffnungsgottesdienst auf der riesigen Bürgerweide vor den Messehallen. Die Stadt Bremen empfing uns aber erst so richtig danach mit dem Abend der Begegnung. Die ganze Altstadt hatte sich dafür herausgeputzt. Unglaublich viele Stände und Aktionen in der Altstadt und am Ufer der Weser. Wir versuchten uns im Falten von Schiffen, in den Bäumen der Wallanlagen um die Altstadt hingen Schaukeln , die schon reichlich genutzt wurden, in einem Kinderzentrum im Freien gab es eine Menge Angebote, Chöre sangen an den verschiedensten Orten, am Weserufer ein Konzert von Echo-Preisträgerin Stefanie Heinzmann, überall Essen und Trinken (keinen Alkohol!) mit landestypischen Spezialitäten. 300.000 Menschen sollen es gewesen sein, die bei bester Laune flanierten und bewiesen, dass die Entscheidung, das Weserufer für den Verkehr zu sperren, richtig gewesen war. Anne zeigte uns wie nebenher die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Bremens im Schnelldurchgang: den riesigen Dom, das tolle Rathaus, natürlich den Roland und die Bremer Stadtmusikanten, bereits mit Schals im Kirchentagslook drapiert. Und natürlich die Weserpromenade, die Schlachte. Hier gab es dann auch Bier - man kann es gut trinken, insbesondere, wenn man Durst hat. Eine Viertelstunde nach 22 Uhr waren wir pünktlich zum Abendsegen auf dem Platz vor dem Rathaus. Der illuminierte Platz funkelte zusätzlich im Lichte der vielen Kerzen der Teilnehmer, auch der unsrigen. Es sah einfach toll aus! Im Anschluss trugen alle ihre Kerzen durch die engen Gassen wie der Böttcherstraße mit dem Paula-Modersohn-Becker-Museum und dem Glockenspiel hinunter zur Weser und in die Wallanlagen um dort die singenden Chöre auf Booten und Kähnen und in den Bäumen zu erleben. Ein toller Auftakt! Was hatte man sich nicht alles einfallen lassen! Auch die allerorts anzutreffenden Werder-Bremen-Fans in den Gaststätten blieben friedlich, obwohl ihre geliebte Mannschaft in Istanbul leider verlor. Am Himmelfahrtsvormittag vorzügliches Frühstück zusammen mit Frau Borgward bei Annes Vermietern Familie Toboll und anschließend Probe für den Abschlussgottesdienst. Riesiger Andrang! 4.000 Bläser wollten in die Gleishalle im Zentrum Kirchenmusik, doch 500 von ihnen mussten draußen bleiben und bekamen ihre Probe dann eben dort. Nachmittag Blasen in kleiner Gruppe (ca. 25 Personen) am Torfhafen Findorff amriesigen Bürgerpark. Hier fanden alle Gebeseer Chormitglieder zum ersten Mal in Bremen zueinander. Im daneben gelegenen Café noch ein wenig zusammen gesessen auf einen Capuccino mit unserer Gastgeberin, die auch schon unsere Probe besucht hatte. Wir saßen kaum, da begann es unangenehm zu regnen und wir flüchteten unter die großen Schirme. Auf den Betonteilen des Ständers sitzend, hielten wir einen solchen Schirm durch unser Gewicht mit vereinten Kräften gegen die urplötzlichen Sturmböen fest auf seinem Platz und uns trocken. Gleich daneben krachte einer um. Doch wie gekommen, so verging der Regen. Auf der Bürgerwiese am Abend ein fulminantes Konzert mit  den Wise Guys, einer A Capella Band. Mundartlich erheblich besser zu merken als "Weiße Ziege". Am Freitag ging es ein paar Stunden in die ehemalige Gleishalle am Güterbahnhof zu einem Workshop, wo nunmehr das Zentrum Kirchenmusik des Kirchentages untergebracht war. Dazu galt es einen fast immer geschlossenen Bahnübergang per pedes zu überqueren. Ich musste grinsen: da stand doch auf einem großen Schild tatsächlich "Zugdurchfahrten dauern ihre Zeit". Kurz dahinter erwartete uns die Posaunen-Jukebox: in einem umgebauten kleinen Bauwagen saß ein richtiger Posaunenchor und blies in bester Qualität, sobald sich die Jalusien nach oben bewegt hatten. Nach diesem Höhepunkt nahmen wir bester Laune an dem Workshop des exzellenten Posaunisten Ingo Luis teil und seiner Art, auch ohne Noten groovende Rhythmen zu erzeugen. Noten gab es schließlich aber auch. Anne meinte zwar: "Der will sich nur präsentieren" - er war jedoch wirklich gut und die Sache kam an. Anne führte uns im Anschluss in Bremens besondere Altstadt, in das bezaubernde Schnoorviertel mit seinen vielen kleinen, wie an einer Schur aufgereihten Häusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Auch die ganz woanders gelegene so genannte Kulturkirche und die dortigen Installationen sahen wir uns an. Am besten gefiel mir ein buntes Vor-Zelt an der Südseite der Kirche, das Wasserzelt, wo gerade eine Diskussionsveranstaltung stattfand. Ein solches Zelt hätten wir dringend gebraucht bei unserem Bläsereinsatz am Holler See: während des dritten Liedes begann es gleichmäßig und durchdringend zu regnen und wir mussten leider und widerwillig aufgeben. Einen Einsatz zuvor an anderer Stelle hatten wir irgendwie verpasst! Auch die beste Organisation lahmt zuweilen. Als Höhepunkt dieses Tages aber genossen wir am Abend den unglaublichen Klezmer von Giora Feidmann und Band in der riesigen Halle des AWD-Dome. Der Samstag begann mit einem gemeinsamen Frühstück mit Anne bei uns. Anschließend fuhren wir mit der Straßenbahn in die von uns bisher sträflich vernachlässigte Überseestadt. Hier erwarteten uns einige Schiffe zum Besichtigen und teilweise auch zum Ausfahren. Das offene Singen wurde von einer schwimmenden Bühne aus geleitet und begleitet, das Wetter unglaublich schön. Gemütlich schlendern, die maritime Atmosphäre aufsaugen, hier und da hineinschauen. Fast wären wir auf einem kleinen Segler gelandet, der aber - wie wir dann sahen - seine Besatzung fast nur rudern ließ. Schließlich fuhren wir doch noch mit einem Schiff, nämlich am Nachmittag mit der Fähre Richtung Zentrum. Das war genau die richtige Entscheidung: ohne etwas zu tun, Blicke und Sonne das ihre tun lassen. Marianne verschwand nach der Landung am Martini-anleger, von dem man per Schiff bis ins Künstlerdorf Worpswede fahren könnte, in den gut bestückten Kaufhäusern der Stadt und ich holte meine Posaune, um bei einer gemeinsamen Veranstaltung für Bläser und Sänger bis 18.00 Uhr dabei zu sein. Ab 19.30 Uhr nahmen wir dann mit unserer Gastgeberin und Annes Vermieterin am Abend der Lieder auf der Bühne der Bürgerweide teil mit den Liedermachern Bittlinger und Schöne, sowie Hartmut Engler und zwei weiteren Vertretern der Band PUR, direkt von der Feier 60 Jahre Grundgesetz aus Berlin kommend. Bleibt nur noch, vom Abschlussgottesdienst am Sonntag zu berichten. Frau Borgward präsentierte uns wieder ein wunderbares Frühstück. Pünktlich 8.45 Uhr begann für die etwa 5.000 Bläserinnen und Bläser noch einmal eine Anspielprobe, um ab 10.00 Uhr in den festlichen Abschlussgottesdienst mit vielleicht 90.000 Teilnehmern zu münden. Marianne hatte für Anne, mich und sich selbst - Wiwa und Erika steckten auch irgendwo, aber wo? - möglicherweise die letzten drei Klapphocker in einem Kaufhaus erstanden, die uns gute Dienste leisteten. So langes Stehen ist nicht unsere Sache! Im Anschluss an den Gottesdienst hieß es Abschiednehmen vom schönen Bremen und unserer überaus charmanten Gastgeberin mit einigen gemeinsamen Fotos auf ihrer Haustreppe und natürlich auch von Anne, die uns die ganze Zeit aufmerksam begleitet hat! Vielen Dank für alles! Und dass wir bis heute nichts vermissen, was nun in unserer vorübergehenden Bleibe liegt, wundert uns schon sehr. Wo wir doch immer etwas liegen lassen. Aber Anne hätte es uns inzwischen auch sicher vorbei gebracht! Was haben wir nicht alles gesehen in diesen Tagen, was nicht alles gehört! Was haben wir aber auch alles verpasst von den 3.000 Veranstaltungen während des Kirchentages! Zum Beispiel die Bibelarbeiten am Morgen (wenigstens Wiwa war da - ich frage mich, wann der losgefahren sein muss), die Diskussionsforen mit unseren Top-Politikern, das Feierabendmahl, den Markt der Möglichkeiten, den Abend der Lichter und vieles, vieles mehr. Die Hallen haben wir überhaupt nicht besucht. Vielleicht werden wir uns dieses auf einem späteren Kirchentag anhören und -sehen: 2010 in München (2. ökumenischer Kirchentag) und 2011 in Dresden (33. evangelischer Kirchentag)! Vielleicht dann aber auch ohne Instrument oder zumindest einem leichterem. Ich sage Euch: so ein Posaunenkasten ist auf Dauer ganz schön schwer!

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